Asset Integrity – Technische Anlagensicherheit

{ GRI EU21 }

Alperia betreibt in Südtirol 34 Groß- und Kleinwasserkraftwerke sowie 14 große Stauanlagen und 17 kleinere Anlagen. Wasserkraftwerke erzeugen erneuerbare Energie. Diese Anlagen sind extrem komplex und befinden sich an Orten, die im Hinblick auf Zwischen¬fälle, Naturkatastrophen und Terrorattacken äußerst gefährdet sind. Alperia garantiert hohe Standards in puncto Sicherheit und Betriebseffizienz und setzt sich dafür ein, das Betriebsrisiko auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Dieser Aspekt wird sowohl von den einzel-nen Business Units als auch auf Gruppenebene verwaltet. 2018 betrug die Verfügbarkeit der Wasserkraftwerke 87,67 % gegenüber einem Ziel von 85,89 %. Ein gutes Asset-Integrity-Management zielt darauf ab, die Verfügbarkeit der Anlagen dank einer genaueren Planung der Instandhaltungsmaßnahmen und damit einhergehend weniger Störungen zu erreichen. Der Verfügbarkeitsindex wird nämlich fast zur Gänze von der geplanten Nichtverfügbarkeit (und somit von der korrekten Planung der Maßnahmen an den Anlagen) und nur minimal von Störungen beeinflusst.

Zu einer erheblichen Störung kam es 2018 im Biomas¬sekraftwerk Biopower in Ottana (Sardinien). Für die Behebung waren rund 4,5 Monate nötig, während derer eine Maschinengruppe nicht in Betrieb war. Die Produktion reduzierte sich somit auf 50.000 MWh. Verantwortlich für die Störung war ein Wasserstrahl auf einen Kolben. Verletzt wurde niemand. Die Maschinengruppe ist seit Mitte Oktober 2018 wieder in Betrieb. 2018 wurde die Zertifizierung nach ISO 14.000 für diese Anlage erneuert, die auch die integrierte Umweltgenehmigung (AIA) beibehalten konnte. Es handelt sich um ein exzellentes System, das modernste biologisch erneuerbare Energien einsetzt. Diese Hauptanlage wird bei Stromausfall sofort wieder in Betrieb genommen, wodurch auch alle anderen Kraftwerke wieder anlaufen können. Ein derartiges System erfordert einen hohen Wartungsaufwand. Kontinuierlich stehen Verbesserungsprojekte auf dem Programm: 2019 wird ein Kontroll- und Optimierungssystem installiert, die Computerisierung des Steuerungssystems wird verbessert, die Schulungsstunden zu Umweltthemen werden erhöht, der Luftauswerfer der Generatoren wird verstärkt, um Frischluft zuzuführen, ein Dosiersystem wird implementiert, um die NOx-Emissionen zu reduzieren (Stickoxide, die als Nebenprodukte während einer Verbrennung unter Nutzung von Luft erzeugt werden). Zudem werden die Abfallbereiche besser organisiert und die der Entsorgung zugeführten Abfälle werden um 30 % reduziert. Die automatische Feuerlöschanlage wird fertiggestellt, und die rund 30.000 qm große Rasenfläche rund um die Anlage wird noch besser gepflegt. Schließlich werden ein doppelter Kanal für die Datenübertragung und ein Disaster-Recovery-Redundanzsystem zum Management der Emissionsinformationen eingerichtet.

Umweltzwischenfälle

Bei Störungen könnten die Alperia-Anlagen Um­weltzwischenfälle herbeiführen. Bei einer Störung an einem Transformator könnte beispielsweise der Boden mit Öl kontaminiert werden. Dafür bewertet Alperia das Risiko des Eintretens von solchen Ereignissen sowie mögliche Korrekturmaßnahmen. 2018 kam es zu keinem Umweltzwischenfall, früher dagegen schon. Insbesondere kam es 2016 am Abflusskanal des Wasserkraftwerks in Töll zu einem Rohrbruch, von dem die Leitung für die hydraulische Betätigung eines Wehrs betroffen war. Aufgrund dieser Störung drang ölhaltiges Wasser in den Boden ein. Das eingesetzte Öl ist biologisch abbaubar (Panolin). Sofort wurden erste Maßnahmen getroffen, um die Leckage einzudämmen. Die Störung wurde behoben und der vom ausgelaufe­nen Öl betroffene Bereich wurde saniert.

Pflanzenöl 

Energieunternehmen weltweit sind auf der Suche nach sicheren und effizienten Lösungen zur Stromversorgung und Reduzierung der Umweltbelastung. Ein wichtiges Anliegens ist es, das als Isolierstoff für die Transformatoren verwendete Mineralöl durch andere, umweltverträglichere Materialien zu ersetzen. Alperia konzipiert schon seit mehreren Jahren Alternativlösungen und erwägt die Anschaffung von Pflanzenöltransformatoren. Diese bieten zahlreiche Vorteile: Der Brennpunkt des Fluids ist um das 2-Fache höher als der von Mineralöl. Daher wird die Brandgefahr im Vergleich zu den gegenwärtig genutzten Mineralölen deutlich reduziert. Pflanzenöle sind weder gesundheits- noch umweltgefährlich. Es handelt sich um erneuerbare Stoffe, die wiederverwertet werden können und in hohem Maße biologisch abbaubar sind. Bei Bersten und/oder Störungen werden Mineralöltransformatoren durch Pflanzenöltransformatoren ersetzt. Diese werden in Italien beschafft und müssen bestimmte technische Eigenschaften aufweisen. Vorrang gegeben wird Naturschutzgebieten wie Naturparks oder Bereichen, in denen im Umkreis von 15 m Flüsse und/oder Bäche fließen.

Sicherheit der Stauanlagen 

Momentan sind in den Wasserkraftwerken über 200 Mitarbeiter beschäftigt, die mit der Kontrolle und Instandhaltung sowohl der Stauanlagen als auch aller Elemente eines jeweiligen Wasserkraftwerks betraut sind. Die Stauanlagen sind mit einem ausgedehnten Überwachungssystem ausgestattet, das in der Lage ist, die hydraulischen und strukturellen Eigenschaften des Bauwerks und der entsprechenden Anlagen in puncto hydraulische Sicherheit zu erkennen. Die wichtigsten Daten werden an das Fernüberwachungszentrum in Bozen übermittelt, das sie in Echtzeit überwacht. Die Überwachungsdaten werden mittels Fernablesung von den Technikern des Bereichs Hydraulik & Zivilbau in Bozen verwaltet. Zweimal jährlich besuchen Vertreter der Behörde für Stauanlagen (Ufficio Tecnico per le Dighe di Venezia) des Ministeriums für Infrastruktu-ren die Anlagen, um zusammen mit dem von Alperia Greenpower ernannten leitenden Ingenieur oder seinem Stellvertreter detaillierte Inspektionen durchzuführen. Für die Kontrolle der kleineren Stauwerke ist dagegen das Amt für Stauanlagen der Autonomen Provinz Bozen zuständig. Dessen Funktionäre führen in Begleitung des von Alperia Greenpower ernannten Beauftragten Jahres- oder Halbjahresinspektionen durch.
Jede große Stauanlage verfügt über ein von der Autonomen Provinz Bozen erstelltes Zivilschutz dokument sowie über einen internen Betriebsablauf, in dem festgelegt ist, wie sich die Mitarbeiter bei signifikanten Ereignissen (Hochwassermanagement) zu verhalten haben. Das Personal, das die Stauanlage betreut, ist entsprechend qualifiziert und in der Lage, die Ablaufeinrichtungen auch ohne telefonische Rücksprache zu betätigen. Alperia schult regelmäßig das für das Hochwassermanagement zuständige Personal und setzt bei außergewöhnlichen Witterungsbedingungen mehr technische Experten an den Stauanlagen ein. Die erste Phase eines Hochwasserereignisses gilt nicht als Notfall, da es dank der Stauanlagen möglich ist, die abgelassene Wassermenge im Verhältnis zur anlaufenden Wassermenge zu verzö¬gern oder zu verringern. Dank dessen hat Alperia die Möglichkeit, das Wasservolumen, das während eines Hochwassers talwärts strömt (Lamination) zurückzuhalten, um so die zerstörerische Kraft des Wassers zu verringern. Dadurch wird der Bevölkerung eine höhere Sicherheit gewährleistet, und die negativen Auswirkungen auf das Ökosystem werden begrenzt

Investitionen und Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz

Abgesehen von den Stauanlagen werden auch die Wasserfassungen, die Ableitungen, die Absperrventile, die elektromechanischen Maschinen und alle anderen  Komponenten regelmäßig von Fachpersonal geprüft. Nur so können Schwachstellen im System rechtzeitig erkannt und Maßnahmen zu deren Behebung frühzeitig getroffen werden, um die Anlagensicherheit zu gewährleisten. Aus diesem Grund werden erhebliche Investitionen in die Infrastrukturen getätigt; 2018 beliefen sich diese auf 84 Mio. Euro, d. h. 22 Mio. mehr als im Vorjahr.
Die Sicherheit verbessern bedeutet aber auch, mit etwaigen Notfällen umgehen zu können. Deswegen ist es für Alperia grundlegend, seine Mitarbeiter zu schulen und die Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Zivilschutz zu stärken. 2018 wurde eine Absichtser klärung mit der Agentur für Bevölkerungsschutz der Autonomen Provinz Bozen betreffend die Entwicklung gemeinsamer Initiativen zum Schutz von Bevölkerung und Territorium unterzeichnet. Während eines Hochwassers werden die Daten in Bezug auf den Speicherstand sowie die abgelassenen und abgeleiteten Wassermengen der großen Stauanlagen vom Alperia-Greenpower-Fernüberwachungszentrum in Echtzeit an die Leitstelle der Zivilschutzbehörde des Landes weitergeleitet.
Alperia Ecoplus, die Betreibergesellschaft der Fernheizwerke, organisierte zudem Übungen in Form von Brandsimulationen in einigen Fernheizwerken mit der Bergung von Verletzten, wofür der Einsatz der Rettungskräfte der Feuerwehr und des Weißen Kreuzes angefordert worden war. Dank der Ernstfallsimulation konnten sich die Rettungskräfte mit der Anlage vertraut machen und die Koordinierung eines Einsatzes mit den Alperia Mitarbeitern üben. Auch Edyna, die Stromverteilergesellschaft, stärkte ihre Kooperationsbeziehungen zur örtlichen Feuerwehr und dem Zivilschutz. 2018 öffnete sie für den Landesverband der freiwilligen Feuerwehren Südtirols die Netzleitstelle in Bozen, informierte die Verantwortlichen des Landesvorstands und der Bezirke über die Arbeitsabläufe und erläuterte technische Details der Verteilanlagen. Ziel dieser Treffen ist es, die Sicherheit im Einsatzfall zu erhöhen. Diesbezüglich wurde geplant, das Potenzial des Funkkommunikationsnetzes des Landeszivilschutzes nutzen zu können, um schwerste Notfälle unverzüglich und sicher zu bewältigen.

Druckrohrleitungen

Ein Wasserkraftwerk nutzt die im Wasser enthaltene Wasserkraft, um Strom zu erzeugen. Das erfolgt nicht direkt, sondern erfordert eine Reihe von Umwandlun­gen und einige grundlegende Komponenten. Dazu gehören die Druckrohrleitungen: Dabei handelt es sich um Rohrleitungen, die vorwiegend aus Metall gefer­tigt sind und innerhalb oder außerhalb eines Bergs verlegt sind. An der Einmündung sind Absperr- und Sicherheitsorgane montiert, die zur Absperrung der Wassermenge dienen. Am Zulauf zum Wasserkraftwerk ist an jeder Druckrohrleitung auch ein Regelorgan montiert, das direkt mit den Turbinen verbunden ist und die Aufgabe hat, die Wassermenge zu regeln oder die Wasserströmung zu unterbrechen. Die Beson­derheit einer Druckrohrleitung betrifft den hohen Betriebsdruck. Aufgrund des schwierigen gebirgigen Geländes weisen die Druckrohrleitungen normaler­weise zahlreiche Richtungsänderungen auf, um den verschiedenen Gefällen zu folgen. Es handelt sich um kritische Stellen, an denen sich aufgrund des hohen Drucks Kräfte konzentrieren. Aus diesem Grund sind Verankerungsblöcke vorhanden, welche die einwir­kenden Kräfte auf die Druckrohrleitungen dämpfen und zum Boden ableiten.

Inspektionen der Freileitungen

Im Lauf des Jahres 2018 führte Edyna, die für den Betrieb der Verteilnetze verantwortlich ist, Kontrollen an den Freileitungen durch. Einer der Hubschrauber näherte sich dabei den Leitungen und stürzte ab. Das Unglück ereignete sich in Vöran knapp unterhalb der Bergstation der Seilbahn, die das Dorf mit dem Tal­grund bei Burgstall verbindet. An Bord des Hubschrau­bers befanden sich der Pilot und ein Techniker, der für die Prüfungen der Stromleitung zuständig war. Beide gehörten nicht der Gesellschaft Edyna an, sondern der mit der Erhebung beauftragten Firma. Niemand wurde verletzt. Der Hubschrauber gehörte einem Unterneh­men aus der Provinz Trentino, das seit 25 Jahren im Bereich Lufttransport tätig ist. Die Staatsanwaltschaft der Republik und ENAC führten alle notwendigen Untersuchungen durch. Edyna nahm die Meldung ent­gegen und führte interne Prüfungen in Bezug auf die Einhaltung des Vertrags durch, informierte sich über den Zustand des Piloten und des Technikers und nahm eine Ortsbesichtigung mit einer orografischen Analyse und einer Netzanalyse vor. Bei diesen Prüfungen ergaben sich keine Störungen oder Nichterfüllungen in Bezug auf die Tätigkeit von Edyna.

Strategisches Ziel: Wir wollen in unseren Anlagen größte Sicherheit gewährleisten, zum Schutz der Mitarbeiter, der Bevölkerung und der umliegenden Gebiete.

Operative ZieleUmgesetzte Maßnahmen im Jahr 2018Geplante Maßnahmen im Jahr 2018ZeitplanKPIZielwertStatusWert Jahr 2018

Definition eines gruppenübergreifenden strategischen KPIs für Asset Integrity
Evaluierung, welche KPIs in den verschieden Businesss Units bereits erhoben werden
  • Analyse der operativen Risiken (z.B. Risiko eventueller technischer Schäden wie bei­spielsweise Damm- oder Rohrbruch, welche auch Auswirkungen auf die Umwelt haben) (Enterprise Risk)
  • Evaluierung eines geeigneten Indikators
  • Integration von KPIs für Asset Intergity in den Nachhaltigkeitsbericht
2018Umwelt-unfälle-achieved0

Ausbau eines sicheren und stabilen Kommunikationsnetzwerks bei größeren Notfällen mit der Zivilschutzbehörde der Provinz
Vereinbarung unterzeichnet und Zusammenarbeit gestartet.2018--achieved-