Risiken und Chancen

{ GRI 102-11, 102-15 }

Globale Megatrends 

Extreme Wetterereignisse, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit, Cyber-Angriffe: Die Welt muss sich mit außergewöhnlichen Risiken auseinandersetzen, deren Auswirkungen auf die Einzelnen, auf die Unternehmen und die Gemeinschaft verheerend sein können. Unsere Tätigkeiten werden in Anbetracht des besonderen Sektors, in dem wir tätig sind, stark von den gegenwärtigen Megatrends beeinflusst. Dies gilt insbesondere für die Risiken in Verbindung mit dem Klimawandel, da Wasser unsere wichtigste Ressource ist.

Dem 14. Global Risks Report 2019 zufolge, erstellt vom eltwirtschaftsforum, betrifft das wichtigste globale Risiko die extremen Elementarereignisse, gefolgt vom möglichen Fehlschlagen der Pläne zur Reduzierung der Klimaveränderungen und den entsprechenden Anpassungen. An dritter Stelle stehen die  Naturkatastrophen. Dies bekräftigen Zahlen: Die Katastrophenereignisse in Verbindung mit Klimaveränderungen stiegen in nur knapp 50 Jahren um das 5-Fache. Allein in Italien war 2018 das heißeste Jahr seit 1800 mit 148 Extremereignissen, davon 66 Überschwemmungen durch starke Regenfälle und 41 Wirbelstürme. Die globalen Kosten für die Klimaveränderungen ab jetzt bis 2060 werden auf 44 Trio. USD geschätzt, und hauptsächlich verantwortlich dafür ist der Verbrauch fossiler Brennstoffe. All dies erfordert eine entscheidende Wende in Richtung erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft. Würde Europa derartige Systeme umsetzen, könnte es von Vorteilen in Höhe von rund 1,8 Trio. Euro bis 2030 profitieren bzw. von 900 Mrd. Euro mehr im Vergleich zum Modell der „linearen“ Entwicklung, ohne zu vergessen, dass sich die wirtschaftlichen Kosten durch die Verkehrsüberlastung um 16 % reduzieren würden und die CO2-Emissionen gegenüber den aktuellen Werten halbiert werden könnten.

Gemäß dem Global Risks Report werden unter den ersten fünf größten Risiken zudem auch erstmals die Cyber-Attacken genannt, zu denen sich bei den Prognosen für 2019 das Risiko in Verbindung mit Datendiebstahl und Datenbetrug gesellt. 2018 verdoppelten sich die Cyber-Attacken gegenüber 2017, und 81 % der großen Unternehmen waren betroffen, aber Computerkriminalität betrifft auch KMUs. Die Verletzlichkeit der kritischen technologischen Infrastrukturen ist eine wachsende Bedrohung für alle: von den Zentralregierungen bis zu den einzelnen Anschlüssen. Daher ist es von grundlegender Bedeutung, die EDV- und  Datensysteme zu schützen und hierfür neue Strategien und Hightech-Lösungen anzuwenden. Dieses Bedürfnis hat auch Alperia, was die in die Cyber-Security getätigten Investitionen beweisen.

Der technologische Prozess eröffnet aber auch eine Reihe neuer Chancen für Unternehmen wie Alperia. Dank der Smart Technologies wie Smart Metering und Smart Grid können wir den Energieverbrauch effizienter gestalten und unseren Kunden eine erhöhte Transparenz garantieren. Durch die Optimierung der Netznutzung können wir eine sicherere Lieferung gewährleisten und die Emissionen reduzieren. Die technologische Innovation begünstigt den Übergang von einem zentralisierten „Top-down-System“ zu einem dezentralen und interaktiven System, in dem die Kunden gleichzeitig Energieerzeuger und -verbraucher sind. Die Verbraucher selbst fordern im Hinblick auf Energie und Umwelt transparentere, wettbewerbsfähigere, effizientere und nachhaltigere Dienstleistungen. Die Verbraucher aktiv einzubinden heißt, ihnen Verantwortung zu übertragen. Aufgrund dieser Entwicklung müssen sich auch die Alperia Mitarbeiter weiterbilden und verstärkt auf die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen setzen.

Herausforderungen im Energiebereich in Südtirol

Der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen bekräftigte die alarmierenden Meldungen zur globalen Erwärmung. Der entsprechende Bericht wurde von 195 Regierungen verabschiedet und beweist, dass die globale Temperaturerhöhung um 2 °C gegenüber den vorindustriellen Werten verheerende Folgen haben Herausforderungen im Energiebereich in Südtirolkönnte, u. a. den Anstieg des Meeresspiegels, die Desertifikation vieler Gebiete, den Verlust von natürlichen Lebensräumen und Arten sowie die Reduzierung der Eisschilde. Dieses Problem betrifft auch Südtirol. Von den 1960er-Jahren bis heute stieg die Jahresdurchschnittstemperatur im Land zufolge des vom Forschungsinstitut Eurac erstellten Klimaberichts um 1,5 °C und schlimmstenfalls könnte sie bis 2050 in den Sommermonaten um weitere 1,5 °C steigen. Eine solche Erhöhung würde sich auch auf die Niederschläge auswirken: Bis 2100 könnte es in 1500 m Höhe 80 bis 90 % weniger Schnee geben als heute, wodurch im
Sommer noch weniger Wasser zur Verfügung stehen würde. Immer häufiger dagegen werden Extremereignisse sein wie heftige Regengüsse.

Aber was ist das größte dieser Risiken für Südtirol? Die Provinz, in der Alperia ansässig ist, ist weit umweltfreundlicher ausgerichtet als viele andere Gebiete: Hier wird ein pro Jahr 5,3 t CO2 pro Kopf erzeugt (gegenüber einem italienischen Durchschnitt von fast 7 t). Es gibt wenig Industriebetriebe, die fossile Brennstoffe
nutzen, Energie aus erneuerbaren Quellen ist weit verbreitet (allen voran aus Wasserkraft und Biomasse, was Alperia unter Beweis stellt), und die Emissionen in Verbindung mit dem Stromverbrauch können als gleich null eingestuft werden. Trotzdem ist der Verkehrvor allem auf der Brennerachse – für 44 % der Treibhausgase insgesamt verantwortlich, mit den höchsten Werten im nationalen Durchschnitt. Gefolgt von der Wärmeenergieerzeugung: Die Beheizung eines wenig energieeffizienten Gebäudebestands macht 36 % aus. Auf dem dritten Platz rangiert die Landwirtschaft mit 18 % der Emissionen, vor allem Methan und Distickstoffmonoxid, mit dem höchsten Wert im gesamtstaatlichen Durchschnitt. Dazu müssen die grauen Emissionen ermittelt werden, d. h. all die Emissionen, die mit in Südtirol verbrauchten, jedoch anderswo produzierten Gütern verbunden sind.

Angesichts dieser Situation erstellte das Land den Klimaplan – Energie Südtirol 2050, ein strategisches Dokument, das bereits 2011 unterzeichnet wurde, zu welchem sich zahlreiche weitere Pläne wie die KlimaHaus-Zertifizierungen und das Green-Mobility-Programm gesellen. Diese Ziele werden auch von Alperia verfolgt, in der Überzeugung, dass eine von den Nachhaltigkeitsprinzipien inspirierte Unternehmensführung eine große Chance sein kann, um den Herausforderungen der nächsten Jahre entgegenzutreten.

Alperia und die SDGs

Am 25. September 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Globale Agenda für nachhaltige Entwicklung und die entsprechenden 17 Ziele, die bis 2030 erreicht werden sollen. Die Europäische Union nahm am Verhandlungsprozess teil, der zur Verabschiedung der Agenda 2030 und der Ziele für nachhaltige Entwicklung (eng. Sustainable Development Goals, SDGs) führte und setzt seit 2010 eine auf zehn Jahre angelegte Strategie für Wachstum und Beschäftigung um (Europa 2020). Dieses Dokument wurde durch neue Maßnahmen erweitert, deren Ziel es u. a. ist, bis 2030 mindestens 32 % des Energieverbrauchs zu reduzieren und mehr Energie für den Verkehr aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Den Ergebnissen des von Asvis – Alleanza Italiana per lo Sviluppo Sostenibile (dt. italienisches Bündnis für nachhaltige Entwicklung) – erstellten Berichts 2018 wurde in Italien die notwendige kulturelle und wirtschaftliche Wende, um die 17 vorgesehenen SDGs zu erreichen, noch nicht festgelegt. Alperia ist sich bewusst, dass erneuerbare Energie gegenüber diesen globalen Herausforderungen eine wesentliche Rolle spielen kann und leistet einen Beitrag zur Erreichung der folgenden 17 SDGs:

Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen (mehr Kraft, mehr Selbstwertgefühl, mehr Bewusstsein)
Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten
Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen
Sofortmaßnahmen ergreifen, um den Klimawandel und seine Auswirkungen zu bekämpfen: Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergreifen, die gemäß dem Übereinkommen von Paris vorgesehen sind

Umgang mit Risiken und Chancen

Bereits 2016 erstellte Alperia ein System zur verwaltung der Betriebsrisiken, mit dem Ziel, dieses als wesentlichen und systematischen Bestandteil in die Entscheidungsprozesse einzubinden.

Die Gruppe ist in erster Linie von zwei Risiko-Chancen- Paaren betroffen: der Volatilität des Energiepreises, aufgrund dessen ein Ad-hoc-Absicherungssystem erarbeitet wurde, und der Volatilität der Produktion, da diese vor allem mit der Wasserkraft in Verbindung steht und daher von Wetterlage und Niederschlagsmenge beeinflusst wird. Dazu gesellen sich die Marktrisiken, die mit den von Alperia emittierten Green Bonds geplanten und finanzierten Investitionen verknüpft sind, sowie die normativen Risiken, da der Energiesektor in Italien einer starken Reglementierung unterworfen ist. All diese Risiken erfordern eine kontinuierliche Überwachung seitens der Abteilung Enterprise Risk Management sowie anderer Funktionen.

Die Aktualisierung von  Umweltrisikobewertungen wird insbesondere von der HSE-Abteilung koordiniert. Die Umweltrisikostufe wird durch die Kreuzung zweier Variablen festgelegt: Umweltrelevanz und Eintrittswahrscheinlichkeit. Jeder ermittelte Umweltaspekt wird in Bezug auf jeden einzelnen Standort unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren bewertet: Bei Wasserkraftwerken zählen auch die dazugehörigen Anlagen zum Standort wie Wasserfassungen, Wasserspeicher usw. Unter Verteilernetz wird das gesamte Netz samt Nebenanlagen verstanden (z. B. die Unterstationen oder die Trafokabinen). Die Primäranlagen gelten schließlich als einzelner Standort. Zusammen mit dem Umweltrisiko, das mit einem spezifischen Aspekt verbunden ist, wird auch das Restrisiko bewertet, das der Effizienz der entsprechenden Kontrollmaßnahme Rechnung trägt.

Abgesehen von der kontinuierlichen Überwachung der finanziellen Risiken wurde 2018 eine Analyse der operativen Risiken der Alperia Gesellschaften für Produktion und Verteilung, Alperia Greenpower, Edyna und Alperia Ecoplus, durchgeführt. Insbesondere wurden die Anlagenrisiken mit besonderem Schwerpunkt auf den unmittelbaren und mittelbaren Schäden, durch welche die Alperia Gruppe gefährdet ist, erhoben. Vorgeschlagen und ggf. durchgeführt wurden die Initiativen zur Risikominderung.

Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse wurden 2017 in einer ersten Phase die wesentlichen Risiken in Bezug auf materielle Themen erhoben. Diese werden von Fachabteilugen und von den jeweils zuständigen Tochtergesellschaften gelenkt. Abhängig von Thema und Risiko können diese auch in die Betriebsabläufe eingebunden werden, beispielsweise in Bezug auf die Bewertung der Umweltrisiken. Die nicht finanziellen Risiken und deren Lenkung sind in den entsprechenden Kapiteln sowie in den Managementansätzen im Anhang beschrieben. 2018 begannen wir mit der Bewertung der wichtigsten nicht finanziellen Risiken. Diesbezüglich begannen wir Ende 2018, alle Risikoträger zu befragen, um die gegenwärtigen nicht finanziellen Risiken auf der Grundlage der materiellen Themen zu bewerten. Das Mapping der wichtigsten ESG-Risiken (Environmental, Social and Governance) im Rahmen der CSR und deren Management werden 2019 weitergeführt.

Zudem begannen wir mit der Definition des entsprechenden Reporting-Systems an das Topmanagement, sodass die Überwachung der Betriebsrisiken auch durch die Identifizierung entsprechender Kennzahlen gefördert wird. Dies wird im gesamten Jahr 2019 weitergeführt, denn außer der Erhebung der CSR-Risiken auf Gruppenebene beabsichtigen wir die detaillierte Bewertung der HSE-Risiken für Alperia Greenpower sowie die Einrichtung eines Prozesses zur Überwachung und regelmäßigen Berichterstattung. Diese detaillierte Analyse wird in den nächsten Jahren auch auf die wichtigsten Gruppengesellschaften erweitert. Wir sind bestrebt, dafür zu sorgen, dass das Management bewusste mittel- und langfristige Entscheidungen in Anbetracht der potenziellen Risiken und mit einer strukturierten und integrierten Vision treffen kann.